Spuren

Bäche, Flüsse – rot, feuerrot. Am Rand etwas Grünes: Bäume oder auch Gebirgszüge. Darüber der Himmel. Dunkelblau, wellig, mit einigen weißen Strichen.

Zumindest gemäß seiner Interpretation.

Mehr konnte er auf dem Bild nicht erkennen. Schließlich spiegelte sich der Raum mit den Heizkörpern, den Fenstern und auch den Plastiken und der Tür auf der anderen Seite in dem eingerahmten und in Glas gehüllten Bild.

„Es ist noch nicht vollendet”, wie sie ihm mitteilte.

Möglicherweise sollen es gar keine Flüsse sein. Denn wenn es Flüsse wären, so würden diese doch nicht zum Himmel hinauf fließen. Ihn begleiteten jedoch vielmehr Selbstzweifel. Wie taktlos es doch war, ihr nicht zu der Auszeichnung zu gratulieren. Ein anderer hatte es sicher getan.

Er suchte nach Gipfeln, entdeckte allerdings nur Worthülsen und vor allem halbfertige Aussagen, welche vorgaben, die Seinigen zu sein. Er war größtenteils damit beschäftigt, ihr zuzuhören. Zumindest sagte er sich dies, in seinen Gedanken. Er wollte sich schließlich gerecht werden und um Scheingründe aufzuspüren, musste er noch nicht einmal suchen.

Da war jedoch noch etwas erkennbar, in einer Deutlichkeit, die seine Ignoranz zu Überwältigen schien. Nicht nur eine Silhouette oder bloße Konturen, sondern klar strukturiert und sogar farblich differenziert.

Möglicherweise eine Person. Ihm fiel ein, dass sie sagte, sie wolle noch eine Figur malen.

„In die Mitte des Bildes”, ergänzte sie.